Der B-100 CENTENNIAL ist Luxmans neue Mono-Endstufe zum 100-jährigen Firmenjubiläum.
Das bedeutet: Für jeden Lautsprecher steht eine komplette Endstufe zur Verfügung.
Eigene Stromversorgung. Eigene Ausgangsstufe. Eigenes Gehäuse.
Das ist erheblich aufwendiger als eine Stereo-Endstufe und kostet entsprechend mehr Geld. Also muss die erste Frage lauten:
Was bringt das?
Die einfache Antwort: Beide Kanäle müssen sich nichts teilen.
Und beim B-100 treibt Luxman genau dieses Prinzip ziemlich weit.
Was steckt tatsächlich dahinter?
Ein B-100 leistet 125 Watt an 8 Ohm und 250 Watt an 4 Ohm.
Das sind ordentliche Werte, aber sicherlich keine Zahlen, für die man eine 61,5 Kilogramm schwere Mono-Endstufe bauen müsste.
Interessant wird es dahinter.
Jeder einzelne B-100 besitzt einen 1.250-VA-Transformator und 16 Siebkondensatoren mit insgesamt 160.000 µF Kapazität.
Und davon stehen bei einem Stereosystem zwei Stück im Raum.
Damit bekommt jeder Lautsprecher seine eigene komplette Stromversorgung.
Die Ausgangsstufe ist ähnlich konsequent aufgebaut. Vier eigenständige Verstärkermodule arbeiten parallel. Luxman nennt das eine 4 × 4 Architektur.
Die ersten 25 Watt an 8 Ohm laufen vollständig in Class A.
Wird mehr verlangt, stehen 125 Watt zur Verfügung. An 4 Ohm sind es 250 Watt und für sehr kurze Leistungsspitzen nennt Luxman sogar 1.000 Watt an 1 Ohm.
Jetzt ergeben die 61,5 Kilogramm langsam Sinn.
Warum solche Reserven?
Nicht damit man besonders laut hören kann.
Ein Verstärker muss einem Lautsprecher folgen können. Und ein Lautsprecher verlangt nicht permanent dieselbe Leistung.
Innerhalb eines Musikstücks können sehr kurze Leistungsspitzen auftreten. Gleichzeitig verändert sich die Impedanz eines Lautsprechers abhängig von der Frequenz.
Genau dafür sind Reserven interessant.
Beim B-100 geht Luxman so weit, dass jeder Lautsprecher dafür eine komplette Endstufe mit eigenem 1.250-VA-Netzteil bekommt.
Das ist der Punkt, an dem diese Konstruktion für mich nachvollziehbar wird.
Nicht 1.000 Watt.
Sondern die Gewissheit, dass die Stromversorgung sehr wahrscheinlich nicht das erste Problem in der Anlage sein wird.
Was macht die B-100 mit dem Signal?
Sie verstärkt es.
Mehr Information entsteht dabei nicht.
Auch eine B-100 kann keine Räumlichkeit, keine Klangfarbe und kein Detail erzeugen, das vorher nicht vorhanden war.
Sie kann Informationen aber verändern oder verlieren.
Luxman betreibt deshalb einen enormen Aufwand an Stellen, die zunächst ziemlich unspektakulär wirken: Signalwege, Widerstände, Stromversorgung, Leiterbahnen, Ausgangsrelais und interne Verkabelung.
Die aktuelle LIFES-Schaltung kommt beim B-100 in Version 1.1 zum Einsatz. Leiterplatten im Signalweg besitzen 100 µm starke, vergoldete Leiterbahnen. Die Verbindung zur Lautsprecherklemme wurde auf möglichst geringe Widerstände ausgelegt.
Das sind keine Eigenschaften, wegen denen ich einen Verstärker kaufen würde.
Aber sie zeigen ziemlich gut, worum es bei der Konstruktion geht.
Möglichst wenig zwischen Eingang und Lautsprecher kaputtzumachen.
Wie klingt die B-100?
Ich habe sie hier im Studio.
Das Interessante ist für mich nicht, dass da eine 61,5 Kilogramm schwere Mono-Endstufe spielt.
Es ist die Selbstverständlichkeit.
Homogen, natürlich und vollkommen unangestrengt.
Das Wort Kraft wäre natürlich naheliegend. Davon ist mehr als genug vorhanden.
Aber gerade das wird nicht ständig vorgeführt.
Die B-100 versucht nicht, jede Aufnahme möglichst beeindruckend erscheinen zu lassen. Sie lässt Unterschiede bestehen.
Und wenn Leistung verlangt wird, ändert sich daran erstaunlich wenig.
Genau das beeindruckt mich.
Nicht irgendein einzelner Effekt.
Sondern dass ich nach kurzer Zeit nicht mehr über diese vollkommen absurde Konstruktion nachdenke.
Ich höre Musik.
Für wen ist die B-100 gedacht?
Ganz sicher nicht für jemanden, der einfach nur einen guten Verstärker sucht.
Dafür gibt es bei Luxman erheblich einfachere Lösungen.
Die B-100 wird interessant, wenn Lautsprecher und restliche Anlage bereits auf einem Niveau sind, bei dem eine Endstufe dieser Klasse überhaupt nachvollziehbar wird.
Das müssen nicht zwingend besonders schwierige Lautsprecher sein.
Aber es müssen Lautsprecher sein, die zeigen können, was diese Endstufe macht.
Und der Besitzer sollte genau das suchen: eine kompromisslose Endstufenlösung, bei der jeder Lautsprecher seine eigene komplette Verstärkereinheit bekommt.
Wer dagegen mit einem L-509Z oder einem M-10X bereits alles bekommt, was seine Lautsprecher benötigen, braucht keine zwei B-100.
Größer ist nicht automatisch sinnvoller.
Ist dieser Aufwand sein Geld wert?
Bei zwei B-100 steht eine gewaltige Menge Material im Raum.
Zwei 1.250-VA-Transformatoren. Insgesamt 320.000 µF Siebkapazität. Zwei vollständige Ausgangsstufen. Zwei Gehäuse mit jeweils 61,5 Kilogramm.
Das erklärt, warum dieses Produkt teuer in der Herstellung ist.
Es rechtfertigt noch nicht den Kauf.
Das muss beim Hören passieren.
Und genau deshalb habe ich die B-100 im Sortiment.
Ich habe sie hier, höre sie und kann den Aufwand nachvollziehen.
Wenn am Ende lediglich zwei beeindruckende Metallblöcke übrigblieben, würde ich sie nicht anbieten.
Davon gibt es im High End genug.
Warum bei Akustik Strauss?
Bei zwei B-100 sprechen wir über eine Investition, bei der ich vorher ziemlich genau wissen möchte, was bereits vorhanden ist.
Welche Lautsprecher?
Welche Vorstufe?
Welche Quelle?
Welcher Raum?
Und vor allem: Was soll mit der vorhandenen Anlage besser werden?
Vielleicht sind zwei B-100 genau der richtige Schritt.
Vielleicht würde ich zuerst an einer völlig anderen Stelle ansetzen.
Bei einer komplett neuen Anlage wird ohnehin gemeinsam geplant. Lautsprecher, Vorstufe und Endstufen müssen zusammenpassen.
Nicht drei möglichst teure Geräte nebeneinanderstellen und anschließend hoffen, dass daraus eine gute Anlage wird.
Ich verkaufe Musiksysteme.
Keine Trophäensammlung.